Vielfalt & Zusammenhalt

“Wie Neu-Ulm die Zukunft in Schranken weist” – Kommentar von Stadträtin Hanna Wagner

Die neue Stadtbibliothek für Neu-Ulm – ein überaus bedeutsames, zukunftsweisendes Projekt für unsere Stadtgemeinschaft. Ein neues Gebäude wird entstehen für Leben, kreatives Schaffen aller Art und natürlich Bildung. Ein riesiges Projekt, das auf innovative Art Treffpunkt werden soll, an dem Bildung für alle frei zugänglich ist.

Stadtbibliothek Neu-Ulm, aktuell

Visualisierung neue Stadtbibliothek

Aber wer sind denn „alle“? Der Gedanke, dass „alle“ Menschen mit unterschiedlichsten Identitäten und Geschichten mit einschließt steckt in unserer Gesellschaft noch in den Kinderschuhen. Wenn man sich die Liste der nennenswerten Bürger der Stadt Neu-Ulm ansieht, findet man leider nur die klassischen weißen Männer, die in unserer Gesellschaft viel zu lange einziger Mittelpunkt der Sichtbarkeit waren. Es findet sich keine einzige Frau.

Dabei ist es nicht so, als hätte Neu-Ulm keine bedeutenden Frauen vorzuweisen. Mit mühsamer Recherche findet sich, dass Adele Hartmann, die erste Frau im Deutschen Reich, die zur Professorin ernannt wurde, gebürtige Neu-Ulmerin war. In einer Zeit, in der behauptet wurde, Frauen seien aufgrund ihres kleinen Gehirns nicht fähig für wissenschaftliches Denken und ob ihrer Natur für das „harte wissenschaftliche Arbeiten“ ungeeignet, studierte sie Medizin in München. Sie promovierte mit Auszeichnung und wurde 1919 als erste Frau hierzulande habilitiert.

Ich kann mir kaum vorstellen, was diese Frau an Geringschätzung und Spott über sich ergehen lassen musste. Den Behauptungen, nur der Krieg habe ihren Weg in der Wissenschaft begünstigt, entgegnet sie: „Ich bestreite, dass die Revolution die erste Privatdozentin in Deutschland geschaffen hat.“ Ihre Anerkennung sei einzig den Jahren intensiver Tätigkeit zuzuschreiben.

Adele Hartmann ist für mich ein Symbol für den Kampf um den eignen Weg trotz und gegen Diskriminierung. Jeder Mensch, der aus den unterschiedlichsten Gründen Diskriminierung erlebt, weiß, was für eine starke Leistung darin steckt. Und diese Leistung gehört gewürdigt.

Ich bin sehr glücklich darüber, als Teil des Aufsichtsrates der Entwicklungsgesellschaft Neu-Ulm wesentlich an dem Projekt der neuen Stadtbibliothek beteiligt zu sein. Die Stadt hat ein brillantes Konzept entworfen, das es nun umzusetzen gilt.

Das aktuelle Thema: Welchen Namen soll das neue Gebäude tragen?

Ich habe den Namen Adele Hartmann vorgeschlagen, um die Zugänglichkeit zu Bildung für alle durch dieses Gebäude zu unterstreichen und auf eine dieser unsichtbaren Frauen der Stadt aufmerksam zu machen. Der Name einer Frau, die ihrerseits ihrer Zeit weit voraus war, für dieses zukunftsweisende Projekt. Der Vorschlag wurde ohne jegliche Diskussion abgelehnt. Stattdessen sollen die umgebenden Ludwig- und Maximilianstraße oder der Heiner-Metzger-Platz den Namen bestimmen.

Ganz nach traditionellem Schema soll dieses bedeutende Gebäude, dessen Konzept mich so begeistert hat, also einem Mann gewidmet werden. Und zwar einem, dem bereits ein Ort gewidmet wurde. Es bekommt nicht einmal einen eigenen Namen, ganz so wie die Frauen dieser Stadt.

Hanna Wagner

Hanna Wagner, Stadträtin in Neu-Ulm

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